Buchrezension: Macbeth

Ein Drama, das aktueller nicht sein könnte. Angesiedelt in einer Zeit, zu der Menschen noch an die Existenz von Hexen glaubten. Magie und Hexerei genoss in jenen Tagen noch ein anderes Ansehen als heute. Der in der Bibel vorhergesagte und bevorstehende Weltuntergang war für die Menschen allgegenwärtig. Und Hexen, so die Vorstellung, gingen mit Satan einen unehelichen Bund ein. Im Gegenzug wurden sie von diesem mit der magischen Kraft ausgestattet, mit der sie Menschen ins Verderben stürzen konnten. Und genau drei Hexen waren es, die Macbeth eine wundersame Botschaft überbrachten: Sie nannten ihn erst »Than von Cowdor« und dann »König von Schottland«, zwei Titel, die ihm gar nicht zustanden.

Prophetie, so schien es. Haben sie ihm die Zukunft vorher gesagt? Unklar. Vielleicht nur »Altweibergewäsch«. Als Abgesandte des Königs ihn zum »Than von Cowdor« ernennen, gibt es jedoch keine Zweifel mehr: Die Hexen haben Macbeth eine Prophezeihung überbracht. Und so nistet sich jener Gedanke klein, aber tief im Kopf des verwunderten Macbeth‘ ein. Wächst und gedeiht. Immer stärker besessen von der Vorstellung, die hohe Stellung des Königs zu übernehmen. Die Erbfolge ist gesichert, Macbeth hat keine Chance, König zu werden. Also hilft er der Situation nach und ermordet alle Erbberechtigten nach und nach, um letztendlich König zu werden.

Ein düsteres Drama. Doch was können wir für uns heute daraus mitnehmen? Wir müssen hier wieder bei der Zeit der Handlung ansetzen. Es ist eine gottesfürchtige Epoche, das 17. Jahrhundert. Jeder Mensch hat eine von »Gott eingegebene Stellung« in der Gesellschaft inne. Wer also als Bauer geboren wird, hat nur schwere Chancen, dieser Stellung zu entkommen. Könige sind von Gott eingesetzte Herrscher. Es ist ein Ordnungsgefüge, das Macbeth hier durchbricht, um sich an die oberste Stellung zu setzen. Aus der Ordnung wird Chaos. Das Eingreifen Macbeth‘ war von Gott nicht vorgesehen, weshalb das Drama zum Ende hin diese Ordnung wieder herstellen muss: Er wird ermordet und der Sohn seines besten Freundes Banquo tritt die Königsdynastie an. Die Hexen sind hier die Verführer, die mit ihren Reden den Menschen benebeln und Dinge versprechen, die gegen das Ordnungsprinzip der Gesellschaft sprechen. 1933 gab es ebenso einen solchen Verführer, der die Menschen zu bösen Taten verführte. Adolf Hitler versprach den Menschen Wohlstand und Macht. Und so wurde selbst aus dem freundlichen Nachbarn, daheim ein vorbildlicher und zuvorkommender Familienvater, eine Bestie in Osteuropa, der im Glauben an dieses Versprechen ganze Familien auslöschte. Es mag nur ein Beispiel sein, aber viele handelten während des Nationalsozialismus wider der menschlichen Vernunft und Ordnung, verroht und gewalttätig.

Und auch heute sind wieder Verführer aufgetaucht, die diesem Ordnungsprinzip der Gesellschaft widersprechen. Wieder lassen sich einzelne verführen. Sie fühlen sich abgehängt und hoffen auf eine bessere Zukunft und unterdrücken dafür jegliches Mitgefühl gegenüber anderen Menschen. Es keimt nicht nur in Deutschland auf, sondern macht sich auf der Welt immer und immer mehr breit. Hoffentlich haben wir am Ende mehr aus der Vergangenheit gelernt.

»Nichts ist gewonnen, alles ist dahin, // Stehn wir am Ziel mit unzufriednem Sinn[.]« Lady Macbeth, 3. Akt, 2. Szene

Veröffentlicht von

Christian Dierks

Christian ist Student aus Rostock und interessiert sich für Typografie und Fotografie. Als Kind wollte er mal Kap Hoorn umsegeln – eines Tages soll dieser Traum Realität werden.

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